3. Saxonia Distanz

21. - 23. August 2009 | Tauscha

Sächsische Meisterschaften im Distanzreiten

Mirok trabt allen davon

Im nördlich von Dresden gelegenen Tauscha fand am zweiten Augustwochenende die SAXONIA-Distanz statt, bei der zugleich der sächsische Meister im Distanzreiten ermittelt wurde. Da sich der Austragungsort nur anderthalb Autostunden von der Bundeshauptstadt entfernt befand, machte sich freudig eine starke Berliner Phalanx auf den Weg, um die Veranstalterinnen Franziska Koppe und Claudia Bullmann zu unterstützen. So reisten aus dem Norden die Cheftierärztin Claudia Herrmann – frisch gebackene Assistentin des langjährigen Bundeskader-Tierarztes Martin Grell – an, der Brandenburger Regionalbeauftragte Stefan Kremzow – bekannt als „die Meldestelle“ schlechthin – sowie die schreibende und fotografierende Zunft in Personalunion mit dem VDD-Präsidium. Doch auch aus Sachsen erfuhr der Ritt kräftige Unterstützung: VDD-Ehrenratsmitglied Andreas Häfele stand als international erfahrener Reiter und Ratgeber in allen Lebenslagen ebenso zur Verfügung wie das „Urgestein des Galopprennsports“ Egon Würgau, der kräftig für die Veranstaltung geworben und Sponsoren gewonnen hatte. In dieser Hinsicht war auch Franziska Koppe unermüdlich gewesen, sodass Sieger und Platzierte attraktive Ehrenpreise mit nach Hause nehmen konnten. Das Team wurde komplettiert durch den immer gut gelaunten Tierarzt Tom Leupold.

Den 124-Kilometer-Ritt, der ab 84 Kilometern in der Wertung beendet werden konnte, nahmen vier Reiter in Angriff, drei davon aus Sachsen und somit wertungsberechtigt in der Landesmeisterschaft. Leider konnte sich die Stute der Gastreiterin in der zweiten Pause nicht weiterqualifizieren, sodass die drei Sachsen unter sich blieben. Bereits nach der ersten Runde hatte sich herauskristallisiert, wer hier das Rennen machen würde: Conny Schwedler setzte sich mit dem von Claudia Bullmann zur Verfügung gestellten 16jährigen Traberwallach Mirok klar von der Konkurrenz ab. Mirok hatte seinen letzten Auftritt im Rahmen der Deutschen Meisterschaften Ende Juni in Göttingen gehabt und war von seiner Besitzerin, die selbst im Sattel gesessen hatte, zurückgezogen worden, weil er – möglicherweise infolge einer leichten Vergiftung – Probleme bekommen hatte. Umso erfreulicher, dass er sich nun wieder in der alten, unverwüstlichen Top-Form präsentierte. Natürlich trugen auch Umsicht und Erfahrung seiner Reiterin Conny Schwedler zum Erfolg bei. Die in dieser Saison mit ihrem Halbblüter Fairbanks hoch erfolgreiche Amazone hatte erst kürzlich mit dem eigenen Pferd, das heute geschont wurde und zuhause bleiben durfte, die ersten 120 internationalen Kilometer bei einem CEI2*-Ritt bezwungen.

Als Axel Baldauf mit seinem 12jährigen Edel-Haflinger Felix und Rico Müller mit dem 8jährigen Welsh-Partbred Mr. Seven den Ritt Hand in Hand bei 84 Kilometern in der Wertung beendeten, war Mirok bereits auf der nächsten Runde zum 107-Kilometer-Vetgate. Da stand sein Sieg beinahe schon fest. Und nach der bestandenen Tierarztkontrolle in diesem Check machte sich die frisch gebackene Sachsen-Meisterin im Distanzreiten Conny Schwedler dann auch kein weiteres Mal auf den Weg. Nach 107 Kilometern in einer reinen Reitzeit von 08:35:00 h (12,47 km/h) war ihr der Titel sicher.

Konnten sich im LDR die beiden nachfolgenden Reiter gleichrangig an zweiter Position platzieren, entschieden über den Vizemeistertitel die besseren Regenrationszeiten des Pferdes in den Tierarztkontrollen. Hier lag Mr. Seven vor Felix, womit der Vizemeistertitel an Rico Müller ging. Mirok präsentierte sich in der Transportfreigabe am Sonntag noch immer so frisch und fit, dass ihm auch der attraktive Best Condition Award zuerkannt wurde.

Einen internationalen Touch verliehen dem Ritt die tschechischen Gäste, die den MDR über 70 Kilometer dominierten. In 06:02:00 h belegten Ljuba Stanojkovicova mit Bueno, Lenka Zajecova mit Gahira und Luisa Kopecka mit Robin 2 gemeinsam den ersten Platz.

Haflinger über Haflinger! „Rosi’s Reitschule“ war mit einem – habe ich richtig gezählt? – siebenköpfigen Aufgebot an „Blonden“ angereist und noch ein paar andere kamen hinzu, sodass das Arabergewohnte Auge der Endurance-Fotografin schon verblüfft war. Überhaupt waren verhältnismäßig wenige Wüstenpferde hier am Start. Neben den Thüringer Bergfüchsen dominierten Englische Vollblüter, Trakehner und Edle Warmblüter das Startfeld des kurzen Rittes. Dass der schwerkalibrige Quereinsteiger Rando (12) unter Andreas König hier als Sieger firmierte, nimmt ein wenig Wunder. Mit 18,9 km/h müsste er in 02:07:00 h im Tempo eines gut trainierten Arabers nahezu durchgaloppiert sein. Erklären ließe sich das nur durch eine gewaltige Trab-Übersetzung des schwerblütigen Riesen. Auch auf Platz zwei kam ein großrahmiger Warmblüter. Baldo (19) legte unter Alexandra Lege die Strecke in 02:26:00 h zurück. Platz drei sicherte sich Veit Koppe mit dem selbst gezogenen Trakehner Filou Rouge. Der sechsjährige Bruder des guten Distanzpferdes Fellini, der rein äußerlich den Muttervater Fierant xx nicht verleugnen kann, vom Interieur her aber, so sein Besitzer, eher gelassen ist, könnte eine spannende Distanz-Karriere vor sich haben.

Lustig wurde es noch einmal am Sonntagmorgen, als Rosi’s Haflinger-Truppe zur 7-Kilometer-Kinderdistanz aufbrach und ähnlich wie schon am Vortag im flachsblonden Gänsemarsch durchs Gelände zog. Insgesamt sieben Kinder hatten sich plus Begleitung auf den Weg gemacht, um einmal Endurance-Luft zu schnuppern. Sie wurden von Claudia Herrmann bei der Nachuntersuchung dann auch gewissenhaft in die Geheimnisse des korrekten Vortrabens eingeweiht, um schließlich stolzerfüllt allesamt in „Leistungsklasse 1“ zu landen.

Ermöglicht wurde die schöne Veranstaltung, die bei allen Teilnehmern viel Anklang fand, durch die Gastfreundschaft des Heimat- und Freizeitreitvereins Tauscha e.V., der seine Anlage mit ihrer hervorragenden Infrastruktur (Versorgung & sanitäre Einrichtungen) zur Verfügung gestellt hatte. Auch war trotz des rigiden sächsischen Waldgesetzes eine kooperative Zusammenarbeit mit der Forst geglückt, sodass sich die Reiter über eindeutige Markierungen in schöner Landschaft freuen konnten. Michael Gansmüller als Gastgeber jedenfalls lud die Distanzreiter wieder ein, und so hofft man, dass die SAXONIA in Tauscha ein neues, komfortables Zuhause gefunden hat.

Weitere Informationen unter: http://www.saxonia-distanz.de/

Miriam Lewin


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