Kagel - Distanz

Samstag | 10.09.2005 | Kagel

Streckenlängen:

41 km
70 km
110 km

Nach unseren zahlreichen Reisen unterliegt das Bepacken von Auto und Hänger schon der totalen Routine und nach einer kurzen Abfrage der Checkliste fiel auch schon der Startschuß für die vergleichsweise kurze Fahrt ins brandenburgische Kagel zu Wolfgang Barth. Dort wollte Claudia mit Mirok die Saison 2005 auf der langen Distanz beschließen. Diesmal waren mit Gisi und mir gleich zwei Trosser mit auf Tour (die Luxusvariante für Pferd und Reiter sozusagen) und so war es ein sehr lustiges Trio, das sich voller Tatendrang auf den Weg machte.

Einmal mehr bestätigte sich, daß zeitiges Kommen gute Plätze sichert. Wir waren zum zeitigen Nachmittag die ersten Ankömmlinge und hatten die freie Wahl auf einer schönen großen Wiese. Da fast hochsommerliche Temperaturen herrschten, bezogen wir ein Eckchen der Koppel mit ein paar Schatten spendenden Bäumen und verbrachten einen gemütlichen Nachmittag bei Kaffee und selbstgebackener Bäbe, für Berliner: Sandkuchen. Die sächsische Distanzfraktion wurde noch durch Andreas Häfele verstärkt, ansonsten bestand die Konkurenz fast ausschließlich aus brandenburgischen Reitern. Es war schön, nochmals viele bekannte Gesichter zu treffen und so gestaltete sich das ganze Wochenende zu einer sehr netten und harmonischen Sache. Als betreuende Tierärzte waren Regine Markowitsch und Gudrun Perowicz vor Ort und machten ihre Arbeit wie immer genau und waren gern bereit, ihr Wissen auch an Reiter und Betreuer weiterzugeben.

 

Mit 6 Startern auf den 111 km, 4 auf den 70 km und ca. 20 auf den 40 km war die Teilnehmerzahl wohl deutlich geringer als in den Vorjahren, aber ich finde, in dieser Größenordnung hat eine Veranstaltung immer noch etwas Gemütliches und Übersichtliches an sich. Die LDR- und MDR-Reiter gingen am Samstagmorgen um 6 Uhr im Massenstart gemeinsam auf die Strecke und entschwanden schnell im Morgennebel unseren Blicken. Die aufgehende Sonne kündigte einen schönen Tag an und es wurde ab Mittag so heiß wie es an manchem Tag im Hochsommer nicht war. Claudia ging im forschen Tempo in der Spitzengruppe mit und bei Kilometer 24 im 1. Stop konnte Mirok wie so oft mit dem Begriff ?Pause? nichts anfangen. Die 2. Und 3. Pause waren jeweils im Camp und nach 48 Kilometern hatte unser Pferdchen für seine Verhältnisse eher sehr mittelprächtige Werte, besonders den Kreislauf betreffend. Das gab uns schon zu denken und die klare Order an Claudia, das Tempo spürbar zu drosseln. Gemeinsam mit Renan ging sie auf die 2. Schleife. Offensichtlich einigten sich die beiden auf ein vernünftiges Tempo, denn im Vet-Check sahen die Werte bereits freundlicher aus. Gisi und ich erhöhten die Trossfrequenz und fingen die Reiter an jeder möglichen Stelle ab. Zeitweise betreuten wir Renan gleich mit, denn streckenweise war er trosslos unterwegs. Unter unseren kritisch-besorgten Blicken galoppierten Claudia und Renan locker-flockig in den 3. Stop, der ja das Ziel für die 70er war. Somit war Renan Sieger über diese Strecke und bereitete sich damit wohl das schönste Geburtstagsgeschenk selbst...

 

Für Mirok war damit aber der Ritt noch lange nicht zu Ende. Angenehmerweise konnte er seine Pause im Paddock verbringen und nutzte sie nun endlich auch wirklich zur Regeneration! Die Pausenzeit war aufgrund der Temperaturen auf 40 Minuten erhöht worden und wurde von Claudia nochmals um 10 Minuten verlängert. So gingen beide nach guter Versorgung nunmehr als Einzelkämpfer auf die letzten 41 Kilometer.

 

Und die dehnten sich streckenweise zur Unendlichkeit! Trotz massiven Trosseinsatzes nahmen die Sandwege kein Ende, gerade Strecken mit direktem Anschluß an den Horizont, links Kiefern und Sand, rechts Kiefern und Sand, die Sonne stach vom wolkenlosen Himmel... Aber wer weiter als 100 Kilometer reiten will, muß eben auch bereit sein, sich zu quälen! Besonders beeindruckend fanden Gisi und ich einen Trosspunkt mitten im Wald hinter Kienbaum (der Name ist übrigens wirklich Programm!). Zu ihm gelangte man auf einer Katzenkopfpflastersteinfahrspur von gerademal Autobreite. Daneben verlief eine etwas breitere Sandspur. Auf der parkten wir den Bus, stellten in Erwartung einer längeren Wartezeit an vermeintlich ruhiger Stelle inmitten der brandenburgischen Pampa unsere Klappstühle dahinter und setzten uns bequem. Aus der Gegenrichtung kam ein Auto. Haha, da hat sich wohl einer verfahren. Ein weiteres Auto, wir wechselten verwunderte Blicke, noch eins und noch eins... Sitzen wir hier auf einer Bundesstraße, ist das überhaupt der richtige Platz?? Karte raus, nochmal geguckt, alles hat seine Ordnung. Aha, dann sind DAS also die Orstverbindungsstraßen im Brandenburgischen...

 

Ca. 5 Kilometer vorm Ziel hatten wir uns für einen letzten Service postiert, aber es fiel zunehmend schwerer, unseren beiden Kämpfern noch einen Motivationsschub zu verpassen. Claudia kochte bereits langsam das Hirn unterm Helm, Mirok?s Laufdrang war im märkischen Sand abhanden gekommen, aber nun ging es nur noch vorwärts. Nach 8 Stunden und 59 Minuten war endlich das Ziel erreicht und die Erleichterung und Freude auf allen Seiten groß darüber.

 

In der Nachuntersuchung präsentierte sich Mirok in überzeugend guter Verfassung und beendete somit auch seinen letzten Ritt des Jahres in der Wertung. Einzige verbliebene Mitstreiterin auf den 111 Kilometern war Oda Petri, die 50 Minuten nach Claudia ins Ziel kam und ebenfalls in der Wertung blieb. Am Sonntag war Mirok bereits wieder so fit und voller Energie, daß ihm auch der Konditionspreis zugesprochen wurde.

 

In den frühen Morgenstunden waren einige kräftige Gewittergüsse über Kagel und Umgebung niedergeprasselt und hatten die Wiese in ein kleines Feuchtbiotop verwandelt. Dankenswerterweise übernahm Andy Häfele gleich das Verbringen aller Hänger auf festen Boden, denn er verfügte über das einzige Fahrzeug mit Allradantrieb am Platze und gewährleistete damit die problemlose Abreise nach der Siegerehrung. Das trübe Sonntagswetter konnte unserer guten Laune aber keinen Abbruch tun und wenn es nach uns geht, kommen wir im nächsten Jahr bestimmt wieder nach Kagel. Herzlichen Dank an Wolfgang, seine Frau, die Tierärzte und die vielen Helfer für dieses gelungene Distanzwochenende! Claudia, Gisi, Ute & Mirok

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