Nach unseren zahlreichen Reisen unterliegt das
Bepacken von Auto und Hänger schon der totalen Routine und nach einer kurzen Abfrage
der Checkliste fiel auch schon der Startschuß für die vergleichsweise kurze
Fahrt ins brandenburgische Kagel zu Wolfgang Barth. Dort wollte Claudia mit Mirok
die Saison 2005 auf der langen Distanz beschließen. Diesmal waren mit Gisi und
mir gleich zwei Trosser mit auf Tour (die Luxusvariante für Pferd und
Reiter sozusagen) und so war es ein sehr lustiges Trio, das sich voller Tatendrang
auf den Weg machte.
Einmal mehr bestätigte sich, daß zeitiges Kommen gute
Plätze sichert. Wir waren zum zeitigen Nachmittag die ersten Ankömmlinge und
hatten die freie Wahl auf einer schönen großen Wiese. Da fast hochsommerliche
Temperaturen herrschten, bezogen wir ein Eckchen der Koppel mit ein paar
Schatten spendenden Bäumen und verbrachten einen gemütlichen Nachmittag bei
Kaffee und selbstgebackener Bäbe, für Berliner: Sandkuchen. Die sächsische
Distanzfraktion wurde noch durch Andreas Häfele verstärkt, ansonsten bestand die
Konkurenz fast ausschließlich aus brandenburgischen Reitern. Es war schön,
nochmals viele bekannte Gesichter zu treffen und so gestaltete sich das ganze
Wochenende zu einer sehr netten und harmonischen Sache. Als betreuende Tierärzte
waren Regine Markowitsch und Gudrun Perowicz vor Ort und machten ihre Arbeit wie
immer genau und waren gern bereit, ihr Wissen auch an Reiter und Betreuer
weiterzugeben.
Mit 6
Startern auf den 111 km, 4 auf den 70 km und ca. 20 auf den 40 km war die
Teilnehmerzahl wohl deutlich geringer als in den Vorjahren, aber ich finde, in
dieser Größenordnung hat eine Veranstaltung immer noch etwas Gemütliches und
Übersichtliches an sich. Die LDR- und MDR-Reiter gingen am Samstagmorgen um 6
Uhr im Massenstart gemeinsam auf die Strecke und entschwanden schnell im
Morgennebel unseren Blicken. Die aufgehende Sonne kündigte einen schönen Tag an
und es wurde ab Mittag so heiß wie es an manchem Tag im Hochsommer nicht war.
Claudia ging im forschen Tempo in der Spitzengruppe mit und bei Kilometer 24 im
1. Stop konnte Mirok wie so oft mit dem Begriff ?Pause? nichts anfangen. Die 2.
Und 3. Pause waren jeweils im Camp und nach 48 Kilometern hatte unser Pferdchen
für seine Verhältnisse eher sehr mittelprächtige Werte, besonders den Kreislauf
betreffend. Das gab uns schon zu denken und die klare Order an Claudia, das
Tempo spürbar zu drosseln. Gemeinsam mit Renan ging sie auf die 2. Schleife.
Offensichtlich einigten sich die beiden auf ein vernünftiges Tempo, denn im
Vet-Check sahen die Werte bereits freundlicher aus. Gisi und ich erhöhten die
Trossfrequenz und fingen die Reiter an jeder möglichen Stelle ab. Zeitweise
betreuten wir Renan gleich mit, denn streckenweise war er trosslos unterwegs.
Unter unseren kritisch-besorgten Blicken galoppierten Claudia und Renan
locker-flockig in den 3. Stop, der ja das Ziel für die 70er war. Somit war Renan
Sieger über diese Strecke und bereitete sich damit wohl das schönste
Geburtstagsgeschenk selbst...
Für Mirok
war damit aber der Ritt noch lange nicht zu Ende. Angenehmerweise konnte er
seine Pause im Paddock verbringen und nutzte sie nun endlich auch wirklich zur
Regeneration! Die Pausenzeit war aufgrund der Temperaturen auf 40 Minuten erhöht
worden und wurde von Claudia nochmals um 10 Minuten verlängert. So gingen beide
nach guter Versorgung nunmehr als Einzelkämpfer auf die letzten 41 Kilometer.
Und die
dehnten sich streckenweise zur Unendlichkeit! Trotz massiven Trosseinsatzes
nahmen die Sandwege kein Ende, gerade Strecken mit direktem Anschluß an den
Horizont, links Kiefern und Sand, rechts Kiefern und Sand, die Sonne stach vom
wolkenlosen Himmel... Aber wer weiter als 100 Kilometer reiten will, muß eben
auch bereit sein, sich zu quälen! Besonders beeindruckend fanden Gisi und ich
einen Trosspunkt mitten im Wald hinter Kienbaum (der Name ist übrigens wirklich
Programm!). Zu ihm gelangte man auf einer Katzenkopfpflastersteinfahrspur von
gerademal Autobreite. Daneben verlief eine etwas breitere Sandspur. Auf der
parkten wir den Bus, stellten in Erwartung einer längeren Wartezeit an
vermeintlich ruhiger Stelle inmitten der brandenburgischen Pampa unsere
Klappstühle dahinter und setzten uns bequem. Aus der Gegenrichtung kam ein Auto.
Haha, da hat sich wohl einer verfahren. Ein weiteres Auto, wir wechselten
verwunderte Blicke, noch eins und noch eins... Sitzen wir hier auf einer
Bundesstraße, ist das überhaupt der richtige Platz?? Karte raus, nochmal
geguckt, alles hat seine Ordnung. Aha, dann sind DAS also die
Orstverbindungsstraßen im Brandenburgischen...
Ca. 5
Kilometer vorm Ziel hatten wir uns für einen letzten Service postiert, aber es
fiel zunehmend schwerer, unseren beiden Kämpfern noch einen Motivationsschub zu
verpassen. Claudia kochte bereits langsam das Hirn unterm Helm, Mirok?s
Laufdrang war im märkischen Sand abhanden gekommen, aber nun ging es nur noch
vorwärts. Nach 8 Stunden und 59 Minuten war endlich das Ziel erreicht und die
Erleichterung und Freude auf allen Seiten groß darüber.
In der
Nachuntersuchung präsentierte sich Mirok in überzeugend guter Verfassung und
beendete somit auch seinen letzten Ritt des Jahres in der Wertung. Einzige
verbliebene Mitstreiterin auf den 111 Kilometern war Oda Petri, die 50 Minuten
nach Claudia ins Ziel kam und ebenfalls in der Wertung blieb. Am Sonntag war
Mirok bereits wieder so fit und voller Energie, daß ihm auch der Konditionspreis
zugesprochen wurde.
In den frühen Morgenstunden
waren einige kräftige Gewittergüsse über Kagel und Umgebung niedergeprasselt und
hatten die Wiese in ein kleines Feuchtbiotop verwandelt. Dankenswerterweise
übernahm Andy Häfele gleich das Verbringen aller Hänger auf festen Boden, denn
er verfügte über das einzige Fahrzeug mit Allradantrieb am Platze und
gewährleistete damit die problemlose Abreise nach der Siegerehrung. Das trübe
Sonntagswetter konnte unserer guten Laune aber keinen Abbruch tun und wenn es
nach uns geht, kommen wir im nächsten Jahr bestimmt wieder nach Kagel.
Herzlichen Dank an Wolfgang, seine Frau, die Tierärzte und die vielen Helfer für
dieses gelungene Distanzwochenende! Claudia, Gisi, Ute &
Mirok
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