Der
Fichtelbergritt
fand am 18.06.2005 wie gehabt auch unter den neuen Eigentümern des
Reiterhofes Stella in Markersbach statt. Am Freitag begrüßte der Fichtelberg seine
Herausforderer mit Regen. Ein paar blieben auch prompt daheim, so dass am
Samstag Morgen letztlich 29 Pferde in kleinen Gruppen an den Start gingen.
Das Wetter war sonnig aber kühl, also ideales Reitwetter. Es waren wieder einmal
einige Distanzneulinge dabei. Zwei von Ihnen mussten im 1. Stopp leider die
Erfahrung machen, dass sie ihre Pferde überschätzt hatten. Sie regenerierten
nicht und mussten hier aufhören. Vom ersten Stopp ging es zum berüchtigten
Anstieg an der Tschechischen Grenze entlang, danach wollte der Fichtelberg
erklommen werden, bevor die Pferde im 2. Stopp eine etwas längere Pause machen
konnten. 10 km vorm Ziel gab es noch einen Vetcheck, in dem das Starterfeld
schon deutlich gedehnt ankam. Die Strecke wurde in diesem Jahr sehr schnell
angegangen - die Sieger waren nach einer Reitzeit von knapp über vier Stunden
wieder im Ziel. Am Abend wurde es am Lagerfeuer gemütlich und den Gesang zur
Gitarre des eigens eingeflogenen schwedischen Künstlers konnten wohl alle
genießen.
Wer den Sender
empfangen kann, konnte sich am Sonntag im MDR Sachsenspiegel eine dreiminütige
Reportage über den Ritt ansehen.
Nun aber noch
ein paar kritische Worte aus Sicht eines P/A-Helfers zum Schluss: Es stimmt mich
nachdenklich, wenn weder Veranstalter, noch Tierarzt, noch die Mitreiter, ein
Problem damit haben, wenn ein Pferd nur durch den allzu deutlichen Einsatz eines
im Wald abgebrochenen Astes zum Vorwärtsgehen gebracht werden kann. Liegt ein
solch unschönes Bild am falschen Ehrgeiz oder am fehlenden reiterlichen Können -
aber egal warum - muss so etwas wirklich sein?
Die
Tierarztentscheidung ist ja bekanntlich nicht anfechtbar - aber angesichts von
etwa fünf in der Nachuntersuchung in meinen Laienaugen nicht mehr lahmfrei
laufenden Pferden, kann ich mich über die geringe Ausfallquote gar nicht mehr so
recht freuen - aber ich mag mich geirrt haben und hoffe, dass diesen Pferden
ihre Füße nicht weh tun...
Carola Bönsch
Lockruf des Berges ? Gedanken zum Fichtelbergritt
2005
Nach der schwachen
Teilnahme von nur 8 Reitern im Jahr 2004, erlebte der Fichtelbergritt in diesem
Jahr einen unerwarteten, aber dennoch sehr erfreulichen Teilnehmeransturm. Kurz
vor Nennschluß lagen Veranstalterin Silvia Fischer bereits 32 Nennungen vor und
auf meine Rückfrage hin gab sie zu, daß ihr nun doch etwas mulmig würde...
Schließlich handelte es sich um die
?Premiere? der neuen Besitzer des altbekannten Veranstaltungsortes ?Pferdehof
Stella? in Markersbach und dann auch gleich noch mit dem absoluten Teilnahmerekord seit der
Erstveranstaltung 2001! Als besonders bemerkenswert ist zu registrieren, daß ca.
zwei Drittel der Starter Neueinsteiger in Sachen Distanzreiterei waren und fast
ausnahmslos aus dem näheren Umfeld kamen. Das läßt doch für den ?Aufschwung Ost?
auch auf diesem Gebiet hoffen!!
Im Forum kursierten ja im
Vorfeld die wildesten Vermutungen über das zu erwartende Wetter (die
Vorstellungen reichten von Dauerregen bis Wintereinbruch, an Sonne glaubte außer
mir wohl keiner!?) und alle spekulierten über den Pool im Ferienhotel als würde
die eigentliche Veranstaltung dort stattfinden. Obwohl uns am Freitagabend
pünktlich zur Voruntersuchung doch der Nieselregen ereilte und die Wolken
konsequent zwischen den Bergen hingen, kam es am Sonnabend nicht so schlimm,
eigentlich sogar ideal: anfangs noch bedeckt, später sonnig, leichter Wind und
ca. 18 ? 20°C.
Auf die Strecke von 60
Kilometern ging es am Sonnabend ab 7.30 Uhr in kleinen Gruppen mit Zeitabstand
und bereits der Start wurde von einem Kamerateam des MDR gefilmt. Das
berühmt-berüchtigte Schlammloch, das ca. 5 km hinter dem Start zu überwinden
ist, hat auch in diesem Jahr alle Reiter-Pferd-Paare lebend wieder ausgespuckt
und es waren entgegen der Erfahrungen aus den Vorjahren gar keine
Gruselgeschichten am abendlichen Lagerfeuer diesbezüglich zu hören.
Fast alle Startergruppen
blieben in ihrer Zusammensetzung recht stabil und bewältigten große Teile oder
sogar die gesamte Rittstrecke gemeinsam. Die ersten und einzigen Ausfälle waren
im 1. Stop in Rittersgrün zu verzeichnen. Zwei Reiter hatten die
Leistungsfähigkeit ihrer Pferde falsch eingeschätzt und mit den Kräften nicht
gut gewirtschaftet, sodaß sich die Pferde nicht ausreichend schnell
regenerierten. Alle anderen konnten sich erholt wieder ins Geschehen stürzen und
den Aufstieg an der tschechischen Grenze in Angriff nehmen. Dort sind auf 5
Kilometern ca. 230 Höhenmeter zu überwinden! Das stellt schon eine besondere
Herausforderung für Pferd und Reiter dar und entgegen Silvias Ratschlag, stiegen
einige Reiter doch aus Mitleid ab und japsten zu Fuß die Steile hinauf und
bereuten wohl spätestens oben ihr Heldentum (aber deren Regeneration
interessierte ja keinen ;-)!)
Auf der Strecke boten sich
immer wieder faszinierend schöne Panoramaaussichten bis weit hinein in
tschechische Lande. Ich denke, daß zumindest die langsamer Reitenden diese
Ausblicke genossen haben und mit mir einer Meinung sind, daß der Fichtelbergritt
das Prädikat ?landschaftlich besonders reizvoll? unbedingt verdient. Nach meinem
Empfinden kann man auf dem Fichtelbergritt die Teilnehmer ziemlich deutlich in
zwei Kategorien einteilen, zum einen die ?Leistungs-Reiter? und zum anderen die
?Erlebnis-Reiter?. Aber das ist auch ganz in Ordnung
so.
Einen deutlichen
Wertverlust hingegen erfuhr der Ritt nach meiner Meinung durch die deutliche
Verschlechterung der Wegequalität gegenüber den Vorjahren. Das betrifft nicht
die Naturwege, sondern über weite Strecken wurden die ehemaligen
Feinsplittpisten mit grobem Naturstein nachgeschottert. Dabei wurden Rand- und
Mittelstreifen mit abgedeckt, sodaß sie als absolut pferdeunfreundlich
einzustufen sind. Bemerkenswert im negativen Sinne ist dabei, daß es sich bei
diesen Wegen um ausgewiesene Reitwege handelt!
Es war also speziell auch
in dieser Hinsicht ein besonders verantwortungsbewußtes Reiten angebracht, was
jedoch einigen Reitern nicht so recht bewußt geworden zu sein scheint. Obwohl im
1. und 2. Stop sowie auch am Sonntag in der Nachuntersuchung keine Pferde wegen
Lahmheit disqualifiziert wurden, erschienen mir einige vorgestellte Tiere arg
grenzwertig. Immerhin sollte die Nachuntersuchung unter dem Aspekt stattfinden,
daß jedes Pferd sofort ohne Probleme in der Lage ist, nochmals einige Kilometer
unter Distanzbedingungen zurückzulegen. Bedenklich fand ich dieses Ergebnis auch
unter dem Blickwinkel, daß auf diese Art Neueinsteigern ein eventuell
verfälschtes Bild der Gesundheitskontrollen beim Distanzreiten und somit falsche
Maßstäbe vermittelt werden. Während bei einer Disqualifikation in erster Linie
wohl das Ego des Reiters leidet, leidet auf diese Art das Pferd!!!
Ansonsten erlebte die
Veranstaltung einen netten Höhepunkt am sonnabendlichen Lagerfeuer, umrahmt von
Gitarrenklängen und Gesang eines schwedischen Musikers. Die kulinarische
Versorgung hätte man sich vielleicht etwas liebevoller gewünscht, aber Uta und
Jürgen erlebten ihren Hof ja zum ersten Mal als ?Schaltzentrale? eines
Distanzrittes und somit auch die Konfrontation mit allen anstrengenden
Begleiterscheinungen drei Tage fast rund um die Uhr. Der Helfertruppe insgesamt gebührt ein
großes Dankeschön, ebenso Alleinveranstalterin Silvia, die in der Kürze der
Vorbereitungszeit vor Ort eine schöne Distanzveranstaltung auf die Beine
gestellt hat!
Ute
Lützow
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